Aus dem 23:00 Uhr Treffen wurde irgend was mit halb Eins in der Nacht,
weil die Reisegefährten wohl ihren Autoanhänger, Fahrgäste,
Fahrräder, Pässe oder sonst was, nicht gefunden haben. Naja,
dass ich mit den Jungs sehr viel Zeit mit Warten verbringen könnte,
hat sich später schnell herausgestellt. Als mich Alex und Michael
endlich vom Bahnhof abholten, machte ich mich mit denen bekannt, die mir
(was für ein Wortspiel) noch nicht bekannt waren. Sogleich untersuchten
sie mein Fahrrad und fuhren es fast eine Stunde lang Probe. In dieser
Zeit hörte ich Gerüchte über einen in Genf "ausgeliehenen"
Anhänger, der auf höchst mysteriöse Weise verschwand. Da
hier unmöglich ein Zusammenhang mit uns bestehen konnte, gehe ich
hier nicht weiter darauf ein...
Wir hatten eigentlich vor, zwei bis
drei Stunden zu fahren und dann eine Schlafpause einzulegen, da unser
Busfahrer Matthieu einen halben Tag arbeiten musste und dazu noch die
Strecke von Genf bis Basel erledigt hat. Nach ein paar hundert Kilometer
und grüner/blonder Stärkungen haben wir an irgend einer Raststätte
beschlossen, die ganze Strecke in einem Stück zu fahren (sehr zum
Leidwesen von Matthieu, im Bild ganz rechts, der sich aber nie beklagte...).

Um ungefähr 08:00
Uhr kamen wir total erschöpft in Köln an. Ich glaube, dass
niemand so richtig schlafen konnte, denn wenn mal keiner über irgendwelche
weltergreifende, hochphilosophische Themen, sachlich diskutiert hat
(Edwin vs. Vic, SB vs. BB, Paris vs. Hillary, ...), liess Michael satanische
Botschaften über CD laufen. Sodomie!
Bis wir den Jugendpark fanden, in welchem die BMX-WM '04 ausgetragen
wurde, verging sicher eine Stunde. Doch so lernten wir Stadt und Volk
kennen (leckere Frauen an jeder Ecke und noch bessere Streetspots) und
da wir sowieso so früh dran waren, spielte die Zeit gar keine Rolle.
Nachdem wir mit einem waghalsigen Manöver, bei dem der Anhänger
einen Smithgrind über einen Bürgerstein machte, die Zoobrücke
überquerten, entdeckten wir endlich ein paar Wegweiser: Autos,
Busse und Menschen mit BMX-Rädern im Gepäck. Hier musste es
sein, da war der richtige Weg und kurze Zeit später befanden wir
uns unter der Autobahnbrücke, welche sich als offizieller Parkplatz
und illegaler Zeltplatz entpuppte. Illegal deshalb, weil die Polizei
alle Falschcamper diktatorisch wegräumte. Naja, ein offizieller
Zeltplatz gab es ja...

Matthieu freut sich über unser heiles Ankommen, während
Michael und Damien fieberhaft nach etwas suchen... Oubien?!
Ungeduldig wie wir nun mal sind, wollten wir gleich in den Park und
uns alles ein wenig ansehen. Doch der Türsteher meinte (bitte hier
einen sehr ausgeprägten Kölnerdialekt vorstellen): "Ey
Junge, hier is' erst um Zehn auf!".
Aber unsere Pfadfinder Damien und
Francois (aka Luzifer) fanden schnell den verborgenen Pfad vom Dschungel
in die Arena. Und wahrhaftig, es war eine Arena! Vor uns befand sich
der "Streetpark" (das "Street" konnte man getrost
weglassen) der dem Park von vor zwei Jahren sehr ähnlich sah. Weiter
gings zur Miniramp und Halfpipe und ganz am Ende das Flatlandzelt mit
Parkettboden und Turntables! Am Ufer des Rheins erstreckte sich ein
langer Landgürtel, welcher der Zeltplatz war.

Sicht von hinten nach vorne. Das weisse, grosse Zelt ist das Flatlandzelt.
Mit der Zeit begann sich der Parkplatz zu füllen und wir beschlossen
uns anzumelden. Nach etwa einer halben Stunde Warten waren wir stolze
Besitzer von silbernen und lila Armbändern. Hier muss ich ein grosses
Lob an die Sicherheitsleute aussprechen, denn die Armbänder waren
numeriert und selbst das Fahrrad erhielt ein Band, welches beim Eintreten
und Verlassen des Geländes restriktiv kontrolliert wurde. Somit
war ein Fahrradklau praktisch unmöglich.

Finger weg!
Gegen Acht Uhr abends kam auch Urs aus
Bern an, der bei uns im Bus leider keinen Platz mehr ergattern konnte.
Ich und zwei deutsche Bekannte holten ihn nach einer Streetsession bei
der Philharmonie (legendär!) am Bahnhof ab und richteten dann unser
Zelt auf.

Urs freut sich über das grosse Zelt.
Nachdem wir es uns gemütlich gemacht
haben gesellten wir uns wieder zu den anderen aus dem SBF-Team und liessen
den Abend gemeinsam ausklingen.
Mat Hoffman las noch ein paar Kapitel
aus seiner Biographie vor und später hatten wir die Möglichkeit,
die Premiere von der Props Megatour 3 und dem Video über den Circle
of Balance zu bestaunen (leider ver... schlafen).
Irgendwann war ich aber so müde und wollte nur noch ins Bett.
Freitagmorgen, die Sonne schien
und das erste, was mir in den Kopf kam: Duschen. Gesagt getan, die Duschen
habe ich schnell gefunden, doch wo war das warme Wasser? Jedenfalls
war ich dann wach um mich dem Frühstücksbuffet zu widmen.
Die Preise waren zwar hoch, aber das Essen war stets zufriedenstellend.
Um halb Elf hatten die Pros/Street
ihr Training, was ich aber nicht ganz mitbekommen habe. Am Nachmittag
fand ausserdem der Carhartt Best Trick Spine statt und wer diesen gewonnen
habe, kann ich leider auch nicht sagen. Irgendwie rauschten die Vorläufe
und Trainings ohne direkten Kontakt mit mir an mir vorbei. Ich konzentrierte
mich eher auf Kölns Streetspots, die Leute und natürlich das
Bier.

Schon bei den Vorläufen hatte es viel Publikum und man musste
sich beeilen, um eine gute Sicht auf den Park zu haben.
Am Abend fand im grossen
Verpflegungszelt die RambaZamba Party statt, die irgendwie in die Hose
ging. Irgendwann wurde nämlich der Bierausschank eingestellt, was
vielen sauer aufstiess und eine "Protestaktion" hervorrief.
Ich war nicht anwesend, sondern wieder mal mit Locals in Kölns
Strassen für eine Nightsession unterwegs. Gerüchten zufolge
haben sich selbst Pros die Köpfe eingeschlagen und es gab ein respektables
Polizeiaufgebot inklusive Titelstory in der Klatschpresse am Tag danach.
Wie gesagt, ich kam um zwei Uhr am Morgen zurück zum Zelt, wo das
berühmt-berüchtigte Team Planlos (allen voran Lalle) eifrig
Europaletten, Einkaufswagen und Zelte verbrannten. Feurio!
Am Samstag fuhren die Girls um
ihre fünf Plätze (mehr haben sich nicht angemeldet) und ich
denke, dass jeder nur enttäuscht über die Darbietung der Mädels
war. Ich meine, es ist ja schön und gut, wenn sie BMX fahren, aber
ausser bei Corey Coffey hatte das Ganze nicht viel mit BMX zutun...
Die Worlds-Party im Bootshaus habe
ich auch nicht gesehen, da ich mit Urs und den Deutschen Zeltnachbarn
unsere eigene Grillparty hatte. Alex kam mitten in der Nacht auf die
Idee, auf seinem Campingkocher Rösti zu machen und liess es sich
neben unserem Feuer schmecken.
Sonntag war der Tag der Finale!
Es war ein sehr schönes Gefühl, die Pros so nah erleben zu
können. Mir persönlich gefiel Cory Martinez' Barspin to Icepick
von der Quarter an den Container, der Fufanu to Nosepick über das
Subrail der Spine vom Wicke und der Wallride to Tailwhip out von Ruben
(?) am besten. Chris Doyle fuhr wie gewohnt mit hohem Tempo und katapultierte
sich in Höhen, in der die Luft wohl schon sehr dünn sein musste
und auch der bremsenlose Bruce Chrisman beweiste mit seinem Strassenstil,
dass man Park auch anders fahren kann. Es gab soviele schöne Tricks
und so viele gute Fahrer, ich kann mich kaum noch an Details erinnern.
Am meisten hat mich das Dirtfinale begeistert, denn erstens waren die
Sprünge sehr hoch und weit und zweitens gingen Bibi, Ruben, Wessel
und alle anderen dermassen steil, dass es manchmal richtig Angst machte,
ihnen zuzusehen. Angst machte auch ein übler Sturz eines Dirt-Pros,
welcher nach langen 15min Wartezeit von der Sanität hospitalisiert
werden musste. Hoffentlich ist er wieder auf den Beinen!
Es war eine sehr schöne WM und ich konnte nur positive Erinnerungen
mit nach Hause nehmen. Das Essen und Trinken war gut, das Wetter war
genügend sonnig, die sanitären Anlagen nicht so katastrophal
wie erwartet, das fahrerische Level astronomisch und die Leute einfach
nur entspannt.
V.l.n.r.: Cédric, Francois/Luzifer, Matthieu, Michael, Damien,
..., Janick
Nebst den Genfern, Urs und mir waren
noch Michel Carmona samt Karin Bleyle, die Luzerner Brigade, Jean-Marie
und wenn ich mich nicht irre auch ein paar Zürcher dabei.

V.l.n.r.: Jean-Marie, ..., ..., Gerri
Ich möchte an dieser
Stelle nochmals allen danken, die diese Reise ermöglicht haben.
Entschuldigen möchte ich mich für diesen lückenhaften
Bericht, aber es ist schon ein wenig lange her, was Michael...? Genau.
OUBIEN, EDWIN, NIPPEL!
Bis zur nächsten WM...
Carlo "Kater" Viscione
Swiss BMX Freestyle